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Manches war durchaus nützlich …

Was ist Seniorinnen und Senioren aus der Schulzeit geblieben? Was haben sie im Unterricht gelernt? Was «können» sie heute noch davon, was war ihnen im Erwachsenenleben nützlich? Eindrücke aus dem Altersheim Aarberg.

Kräuchi Yvonne, 1922, kaufm. Angestellte

Handarbeiten war für die Mädchen wichtig. Ich war froh, dass ich das richtig lernte. Erst jetzt im Alter interessiert mich die Geschichte – vor allem die Zusammenhänge, was passiert ist, und nicht die Jahrzahlen, die wir lernten. Man lernt in der Schule eigentlich für das Leben, und doch konnte ich nicht so viel gebrauchen.

Heidi Etter-Ruchti, 1925, diverse Stellen, Hausfrau

Die Rechtschreibung ging mir nicht rein. Ich habe versucht, das zu lernen, weil ich musste. Ich schrieb später auch nicht viel. Ich lernte zu Hause mehr als in der Schule, zum Beispiel arbeiten. Etwas, das ich selber machte, blieb mir, was mir gesagt wurde, vergass ich schnell.

Ida Riesen, 1919, Hausangestellte, Schwesternhilfe

Wir lernten stillsitzen, ruhig sein, zuhören – das kam mir später zugute. Zuerst dachte ich, ich gehe für den Lehrer in die Schule, dann merkte ich, dass ich für mich ging. Wir mussten lernen, was der Lehrer wollte. Später lernte ich, was mich selber interessierte.

Hansruedi Schneider, 1928, Sattler

Als ich vier Jahre alt war, bekam ich Kinderlähmung. Ich wurde viel ausgelacht. Deshalb gab ich mir besonders Mühe. Ich wollte den Leuten zeigen, dass ich wegen der Kinderlähmung nicht weniger wert war. Ich lernte viel, das ich nie mehr gebraucht habe, aber auch vieles, das ich brauchen konnte.

Alice Marti, 1928, Bäuerin

Ich rechnete gerne. Als Bäuerin musste ich nicht viel rechnen, deshalb konnte ich das nie anwenden. Ich ging gerne in die Arbeitsschule. Ich wäre gerne Näherin geworden, traute mich aber nicht zu fragen. Es war selbstverständlich, dass ich Bäuerin würde. Ich las viel, obschon ich das nicht hätte tun dürfen, weil ich zu Hause mithelfen musste. Dabei hatte ich Rechtschreibung gelernt. Das konnte ich später beim Briefeschreiben gebrauchen.

Pauline Pulfer, 1917, Posthalterin, Hausfrau

In der Schule lernte ich auch Deutsch, Französisch und Englisch. Richtig sprechen konnte ich die Fremdsprachen da aber nicht. Ich machte ein Welschlandjahr. Im Hotel, wo ich arbeitete, sprach man aber
vor allem Deutsch. Ich wollte die Sprache unbedingt lernen und ging deshalb selber nach Neuenburg und meldete mich in einer Sprachschule an. Ich kann heute noch gut Französisch.

Hanny Messerli, 1918, Tapeziernäherin

In der Schule lernte ich schreiben, lesen und rechnen. Das alles war mir im Geschäft nützlich. Das Grammatikwissen konnte ich nie anwenden. Als wir Jahrzahlen lernen mussten, dachte ich immer, das brauche ich meinen Lebtag nie. Aber dann habe ich doch manches ab und zu mal anwenden können.

Rosa Schwab, 1919, Bäuerin

Die Schule war schön und interessant. Ich sang sehr gerne. Ich sang die Lieder manchmal auch am Abend. Wenn ich Lieder höre, erinnere ich mich oft daran, sie in der Schule gelernt zu haben. In der Geschichte interessierte mich vor allem, was passiert war. Die Jahrzahlen interessierten mich weniger. Fürs Leben habe ich das Lesen und Schreiben gelernt.

Woran werden sich Ihre Schülerinnen und Schüler in 70 Jahren erinnern? Welche der obigen Aussagen treffen für die Schule von heute noch zu – und ist das gut so?

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