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Wer unterrichtet hier?

Wer unterrichtet hier?

Wen ein Mittelstufenlehrer mit dreissigjähriger Schulerfahrung in diesem Schulzimmer vermutet:

Ein gemütliches, aufgeräumtes Schulzimmer mit einem alten Holz­boden. Der Blick durch die hohen Fenster lässt eine eher ländliche Umgebung vermuten.

Als Schüler würde ich mich hier wohl fühlen. Alles steht geordnet in Holzgestellen längs der Wand. Das vermittelt Sicherheit. Die Sitzordnung ist auf die Wandtafel und die Lehrperson vorne ausgerichtet, ihr Pult vermute ich seitlich neben der Wandtafel.

Die farbigen Buchstaben- und Zahlenvorlagen an der Wand deuten auf eine erste Klasse hin, ebenfalls die grossformatigen Bücher in der kleinen Klassenbibliothek. Die Klasse ist mit geschätzten 24 Schülerinnen?/?Schülern eher gross.

Die Lehrperson, die hier unterrichtet und das Zimmer gestaltet, ist eine Frau mit langjähriger Erfahrung auf der Unterstufe. Sie setzt auf bewährte und während Jahren gesammelte Materialien. Das einzige sichtbare elektronische Gerät ist ein Kassettenrekorder.

Mehr Wert legt die Lehrerin auf Musizieren und Gestalten: In den Gestellen ist das Material frei zugänglich gelagert und neben dem Lavabo stehen die Pinsel der letzten Malarbeit, einer Imitation von Monets Seerosen, die nun die Wand schmücken.

Der Frontalunterricht herrscht vor, daneben arbeiten die Schüler und Schülerinnen oft mit ihren Pultnachbarinnen und -nachbarn. Regelmässig erzählt die Lehrerin den Kindern im Sitzkreis Geschichten.

Die Lehrerin ist eine ruhige, besonnene Person, die weiss, was sie will. Sie überlässt wenig dem Zufall und hat alles für den kommenden Schultag vorbereitet. Die helle Leseecke hat sie mit Kissen und Kuscheltieren gemütlich gestaltet und mit dem gut gepflegten Ficus vom restlichen Zimmer abgegrenzt.

Hansruedi Hediger

Wie die hier unterrichtende Lehrerin ihr Schulzimmer beschreibt:

«Ich unterrichte eine Mischklasse mit sechzehn 1.- und 2.-Klässlern in Schüpfen. Ich teile die Stelle mit meiner Kollegin Marie-Theres zu je 50 Prozent.

Wir arbeiten in einem Schulhaus aus dem 19. Jahrhundert. Das Gebäude wurde stets gut unterhalten. In den letzten Jahren sind alle Schulräume renoviert und modernisiert worden. Geblieben sind uns die hohen, grossen Räume mit den schönen, alten Riemenböden und der tragenden Säule in der Mitte. Diese stellt uns bei der Wahl der Pultordnung immer wieder vor Probleme, da sie bei manchen Anordnungen den Kindern die Sicht verstellt.

Die Jahreszeit ist mit der Aussicht auf die Kastanienbäume auch stets in unserem Zimmer präsent. Wir gestalten jeweils eine Ecke, wo wir passende Bilder aufhängen, Bücher präsentieren und die Kinder ermuntern, ihre Fundstücke oder Objekte beizusteuern. Unser Zimmer macht einen hellen und freundlichen Eindruck. Wir haben rundherum viele Steckwände, auf denen wir die Arbeiten der Kinder ansprechend präsentieren.

Wir arbeiten oft in Lerngruppen, mit Plänen oder Posten. Deshalb ist es wichtig, dass wir auf den zahlreichen Abstellflächen und Gestellen das Material für die Kinder bereithalten können. Die Kinder arbeiten oft auch in einem angrenzenden Gruppenraum oder im Gang. Auf den Bänken hinten treffen wir uns zu Gesprächen, Inputs, zum Singen, Geschichten-Hören, zur Auswertung von Arbeiten und zu vielem mehr. Meine Kollegin und ich erledigen alle Vor -und Nachbereitungsarbeiten in der Schule. Deshalb haben wir eine grosse Büroecke mit unseren Materialien. So habe ich stets auch auf die Sachen meiner Kollegin Zugriff und sie auf meine. Das Schulzimmer ist mein Arbeitsort und ich bin gerne dort. Wenn ich aber die Türe schliesse, denke ich an meine Familie, meine Freizeit und was zu Hause ansteht und lasse die Schulwelt hinter mir.»

Therese Mettler

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